
Die Sozialhilfe über den Röstigraben
Über den Röstigraben wird gesprochen, seit es die Schweiz gibt. Besonders tief wird er jeweils beschrieben, wenn ein Abstimmungsresultat die Schweizer Karte entlang der Sprachgrenze grün und rot einfärbt. Auch in der Sozialhilfe ist immer wieder von einem Röstigraben die Rede. Zweifellos gibt es Unterschiede zwischen der Suisse romande und der Deutschschweiz. So liegt die Kompetenz stärker bei den Gemeinden, je weiter östlich man fährt, die Sozialhilfequote steigt tendenziell mit der Reise in den Westen. Einige Kantone der Suisse romande kennen – wie natürlich auch das Tessin – die Familienergänzungsleistungen als Alternative zur Sozialhilfe. Die Aufgaben und Herausforderungen der Sozialhilfe sind aber auf beiden Seiten der Saane die gleichen, und auch die SKOS-Richtlinien gelten als Grundlage für die kantonalen Gesetzgebungen über die Sozialhilfe. Das neue Richtlinien-Monitoring 2024 zeigt, dass die Harmonisierung in der Sozialhilfe grundsätzlich funktioniert – in allen Landesteilen. Unterschiede lassen sich kaum an den Sprachgrenzen festmachen.
Der Austausch und Dialog zwischen den verschiedenen Landesteilen ist für die SKOS wie für jeden nationalen Verband eine zentrale Aufgabe und eine ständige Herausforderung. Bereits in der ersten Ausgabe dieser Zeitschrift vor über 120 Jahren wurde dieser Austausch thematisiert und seine wichtige Bedeutung betont. Mit der Gründung der ARTIAS , der «Association romande et tessinoise des institutions d’action sociale», vor 30 Jahren verfügt die französische Schweiz über eine Schwesterorganisation zur SKOS. 2025 feiern SKOS und ARTIAS ihre Jubiläen: Die SKOS 120 Jahre am 12. Juni in Stans, die ARTIAS 30 Jahre am 27. November in Lausanne. Auch wenn ihre Aufträge nicht identisch sind, ARTIAS und SKOS arbeiten eng zusammen, sie ergänzen sich und teilen sich Aufgaben auf, wo es sinnvoll ist. Ein Zeichen der Wichtigkeit, die die SKOS der Zusammenarbeit unter den Landesteilen beimisst, ist nun die Herausausgabe einer vollständigen Version der Zeitschrift ZESO in beiden Sprachen. Sie halten die Nummer 1 dieses Bekenntnisses in den Händen. Ich freue mich über den somit intensivierten fachlichen Austausch und wünsche der Zeitschrift mit dem neuen Namen «DIE SOZIALHILFE – Das Fachmagazin der SKOS» und «L’AIDE SOCIALE – La revue spécialisée de la CSIAS» viel Erfolg und seinen Leserinnen und Lesern auf beiden Seiten der Saane eine möglichst informative Lektüre.